Bunte Giebelhäuser am Nyhavn in Kopenhagen
Bikepacking-Tour

Community-Touren · Folge 1

Von Dresden nach Kopenhagen

5 Tage, 640 Kilometer, jede Menge Gegenwind

Jacob Kraus Jacob Kraus Mitgründer von Dienstrad-Finder.de
640 km
Gesamtstrecke
5
Etappen
1.050 Hm
Höhenmeter
5 Tage
Reisedauer

Eine Linie auf einer Karte macht schnell neugierig: Wie fühlt es sich an, ihr tatsächlich zu folgen? Im April 2026 habe ich genau das gemacht und bin mit dem Rennrad von Dresden nach Kopenhagen gefahren. Fünf Tage, rund 640 Kilometer, eine Fährüberfahrt über die Ostsee – und ziemlich viel Gegenwind.

Mit dieser Seite eröffnen wir eine neue Rubrik: Community-Touren. Hier sollen künftig Menschen wie du ihre eigenen mehrtägigen Radtouren teilen – mit Fotos, ein paar Zeilen zu jeder Etappe oder auch nur den nackten Zahlen zu Strecke und Höhenmetern. Diese Tour ist der Auftakt. Wie du mitmachen kannst, steht am Ende dieser Seite.

Tour-Steckbrief

Fahrradtyp

Rennrad

Gepäck

Packtaschen mit dem Nötigsten für fünf Tage auf dem Rad

Übernachtung

Feste Unterkünfte entlang der Strecke

Untergrund

Überwiegend asphaltierte Straßen und Radwege, teils ältere, holprige Abschnitte

Schwierigkeitsgrad

Sportlich bis anspruchsvoll – lange Tagesetappen, wechselhaftes Wetter, fast durchgängiger Gegenwind

An-/Abreise

Start direkt mit dem Rad in Dresden, Rückreise nach vier Tagen in Kopenhagen mit dem Zug

Die Gesamtroute

Rund 640 Kilometer von Dresden über Cottbus, Berlin, die Mecklenburgische Seenplatte und Rostock bis nach Kopenhagen – inklusive Fährüberfahrt von Rostock nach Gedser.

Die Etappen

1
17. April 2026 ca. 110 km

Etappe 1: Dresden nach Cottbus

Die Tour begann direkt mit einer kleinen Prüfung. Schon beim Start in Dresden regnete es, und der Wind kam selbstverständlich von vorne. Nach wenigen Kilometern fiel mir außerdem auf, dass ich meine Überschuhe zu Hause vergessen hatte.

Da kalte und nasse Füße gleich am ersten Tag keine besonders gute Grundlage für eine fünftägige Tour sind, musste ich improvisieren. Ich zog mir kurzerhand Plastiktüten über die Socken und steckte die Füße anschließend wieder in die Schuhe. Besonders elegant sah das vermutlich nicht aus, aber immerhin blieben meine Füße etwas wärmer.

Hinter Dresden führte die Strecke durch die Lausitz und vorbei an der Seenlandschaft rund um Senftenberg. Trotz des grauen Wetters war die Gegend überraschend schön. Zwischen den Regenschauern kam sogar für kurze Zeit die Sonne heraus und ließ die Seen und die nassen Straßen direkt freundlicher wirken.

Die erste Etappe hatte damit schon fast alles zu bieten, was mich auch an den kommenden Tagen begleiten sollte: Regen, Gegenwind, schöne Landschaften und kleinere Probleme, für die sich unterwegs irgendwie eine Lösung finden musste.

2
18. April 2026 ca. 130 km

Etappe 2: Cottbus nach Berlin

Da an diesem Tag eine lange Etappe bis nach Berlin anstand, startete ich früh. Das Wetter hatte sich über Nacht leider nicht grundsätzlich verbessert. Es blieb kalt, regnerisch und über weite Strecken von feinem Nieselregen geprägt.

Die Route führte mich durch den Spreewald, über kleine Straßen und durch viele ruhige, beinahe verschlafene Orte. Gerade bei diesem Wetter wirkten manche Dörfer, als wäre dort die Zeit ein wenig langsamer vergangen. Immer wieder gab es kleine Häuser, Höfe und Straßen zu entdecken, die man bei einer Fahrt auf der Hauptstraße wahrscheinlich nie gesehen hätte.

Für etwas Unterhaltung sorgte Kermit der Frosch. Ich hatte einen Sticker von ihm auf meine Lampe geklebt. Darauf war er selbst gemütlich in eine Decke eingewickelt. Während ich durch Regen und Kälte fuhr, schaute mich also ständig ein warmer, zufriedener Frosch an. Ob das motivierend oder leicht spöttisch wirkte, änderte sich mit jedem Kilometer.

Rund um den Berliner Flughafen wurde die Fahrt noch einmal deutlich anstrengender. Die Landschaft war offen und der Gegenwind entsprechend kräftig. Nach vielen ruhigen Kilometern durch den Spreewald folgte schließlich die Einfahrt nach Berlin – natürlich genau zur Rushhour.

Der Kontrast hätte kaum größer sein können: morgens kleine Straßen und verschlafene Orte, am Abend dichter Verkehr, Ampeln und Großstadtlärm. Nach rund 130 Kilometern war Berlin trotzdem ein sehr willkommenes Etappenziel.

3
19. April 2026 ca. 150 km

Etappe 3: Berlin bis an die Müritz

Um mir den Berliner Stadtverkehr am frühen Morgen zu ersparen, fuhr ich zunächst mit der S-Bahn bis an den Stadtrand. Dort stieg ich wieder auf das Rennrad und setzte die Tour in Richtung Norden fort.

An diesem Tag zeigte sich die Sonne zum ersten Mal etwas länger. Der Gegenwind war dagegen weiterhin zuverlässig da. Er schien beschlossen zu haben, mich bis Kopenhagen zu begleiten.

Nördlich von Berlin wurde die Landschaft immer ruhiger. Die Orte wurden kleiner, die Straßen leerer und die Abstände zwischen den Dörfern größer. Besonders schön fand ich die vielen alten Gebäude in Nordbrandenburg und Mecklenburg. Backsteinhäuser, alte Höfe und kleine Kirchen gaben den Orten einen ganz eigenen Charakter.

Eine besonders willkommene Pause legte ich in einem Kloster ein. Dort gab es Kuchen, der nach vielen Kilometern auf dem Rad vermutlich noch besser schmeckte als ohnehin schon. Solche Pausen gehören für mich genauso zu einer langen Tour wie die eigentliche Strecke.

Ein großer Teil der Etappe verlief bereits auf dem Radweg Berlin–Kopenhagen. Damit wurde das Ziel erstmals richtig greifbar. Kopenhagen war nicht mehr nur ein Punkt auf einer Karte, sondern stand plötzlich auf den Schildern am Wegesrand.

4
20. April 2026 ca. 100 km

Etappe 4: Von der Müritz nach Rostock

Die vierte Etappe war für mich landschaftlich der schönste Abschnitt der gesamten Tour. Die Route führte durch Mecklenburg und die Seenplatte, vorbei an zahlreichen Seen, Wäldern und Naturschutzgebieten.

Nach den regnerischen Tagen zuvor zeigte sich das Wetter diesmal deutlich freundlicher. Immer wieder kam die Sonne heraus und sorgte dafür, dass die Seenlandschaft noch einmal ganz anders wirkte. Die ruhigen Wasserflächen, kleinen Straßen und nahezu menschenleeren Abschnitte machten diesen Tag zu einem der entspanntesten und schönsten der gesamten Tour.

Ganz ohne Spuren waren die Regenfälle der vergangenen Tage allerdings nicht geblieben. Teile der Wege waren aufgeweicht, und an einer Stelle musste ich über eine Landstraße fahren, auf der gerade gebaut wurde. Der Abschnitt war entsprechend schlammig und mit dem Rennrad nicht gerade ideal. Dafür ersparte mir die Abkürzung mehrere Kilometer Umweg – und nach drei langen Tagen war das ein überzeugendes Argument.

Trotz des matschigen Zwischenstücks blieb die Etappe insgesamt vergleichsweise heiter. Nach den langen Strecken der ersten Tage fühlten sich die rund 100 Kilometer fast wie ein etwas ruhigerer Abschnitt an.

Am Ende erreichte ich Rostock und damit die Ostsee. Dort konnte ich mich am Hafen in die Sonne setzen, die Beine ausstrecken und den Blick aufs Wasser genießen. Nach vier Tagen auf dem Rad war das ein besonders schöner Abschluss der Etappe.

Am nächsten Morgen musste ich allerdings früh genug loskommen, um die Fähre nach Dänemark zu erreichen.

5
21. April 2026 ca. 150 km

Etappe 5: Rostock über Gedser nach Kopenhagen

Der letzte Tourtag begann etwas hektischer als geplant. Ich war später gestartet, als ich eigentlich wollte, und zusätzlich waren auf dem Weg zum Hafen mehrere Straßen gesperrt. Aus der entspannten Fahrt zur Fähre wurde dadurch plötzlich ein kleines Zeitfahren durch Rostock. Für einen Moment sah es so aus, als würde die Fähre ohne mich ablegen. Mit etwas Glück und einem zügigen Endspurt schaffte ich es aber doch noch rechtzeitig.

Nach dem hektischen Morgen war die Überfahrt nach Gedser umso entspannter. Auf der Fähre konnte ich essen, mich aufwärmen und für eine Weile einfach nur sitzen. Außerdem war es ein besonderer Moment, Deutschland langsam hinter mir zu lassen und dem letzten Abschnitt der Tour entgegenzufahren.

In Gedser wurde ich von dem inzwischen schon vertrauten Gegenwind begrüßt. Falster zeigte sich dennoch von seiner schönen Seite. Die Strecke führte durch eine ruhige Insellandschaft, vorbei an kleinen Kirchen, gepflegten Höfen und typisch dänischen Häusern. Viele Radwege waren sehr gut ausgebaut – eine deutliche Ausnahme bildete die alte Verbindung zwischen Falster und Masnedø: alt, holprig und mit schmalen Rennradreifen besonders deutlich zu spüren.

Das frühe Aufstehen, die lange Etappe und die fünf Tage auf dem Rad machten sich inzwischen bemerkbar. Die Beine wurden schwerer, die Fahrt zunehmend kräftezehrend. Gleichzeitig gab mir die Aussicht auf das Ziel in Kopenhagen noch einmal neue Energie. Je näher ich der Stadt kam, desto besser wurde die Radinfrastruktur – über breite, gut ausgebaute Radwege konnte ich schließlich entspannt bis ins Zentrum einrollen.

Am Rathaus von Kopenhagen war die Tour schließlich geschafft. Nach fünf Tagen, viel Regen, noch mehr Gegenwind und mehreren langen Etappen war aus einer Linie auf der Karte eine echte Reise geworden.

Ankunft und Aufenthalt in Kopenhagen

Nach meiner Ankunft blieb ich noch vier Tage bzw. drei Nächte in Kopenhagen. Besonders praktisch war, dass dort bereits ein Paket mit frischen Kleidungsstücken auf mich wartete. Ich hatte die Sachen vor der Tour an einen Freund in Kopenhagen geschickt – so musste ich nicht meine gesamte Alltagskleidung fünf Tage lang auf dem Rennrad transportieren und blieb mir erspart, anschließend ausschließlich in Radtrikot und Radhose durch Kopenhagen zu laufen.

Nach mehreren Tagen auf ruhigen Straßen und Radwegen fühlte sich Kopenhagen fast wie die logische Fortsetzung der Reise an. Fahrräder gehören überall zum Stadtbild, und die Infrastruktur ist an vielen Stellen deutlich besser auf den Radverkehr ausgerichtet als in Deutschland. Nach vier Tagen in der Stadt ging es schließlich mit dem Zug zurück nach Deutschland – für mich und mein Rennrad nach den langen Etappen eine deutlich bequemere Form der Rückreise.

Fazit

Die Tour von Dresden nach Kopenhagen war körperlich anspruchsvoller, als ich vor dem Start erwartet hatte. Nicht die Höhenmeter waren das eigentliche Problem, sondern die langen Tagesdistanzen, die Kälte, der wiederkehrende Regen und vor allem der fast durchgängige Gegenwind.

Gleichzeitig hat mir die Reise gezeigt, wie abwechslungsreich eine Tour sein kann, die direkt vor der eigenen Haustür beginnt. Lausitzer Seen, Spreewald, Berlin, alte Orte in Brandenburg und Mecklenburg, die Müritz, die Ostsee und schließlich die dänischen Inseln: Innerhalb von fünf Tagen veränderten sich Landschaft und Stimmung immer wieder.

Besonders in Erinnerung bleiben mir nicht nur die großen Ziele. Es sind auch die improvisierten Plastiktüten in den Schuhen, Kermit auf der Fahrradlampe, der Kuchen im Kloster, das Glas Wein an der Ostsee und der hektische Sprint zur Fähre. Gerade diese ungeplanten Momente machen eine solche Tour am Ende besonders. Kopenhagen war das Ziel – die eigentliche Geschichte spielte sich aber auf dem Weg dorthin ab.

Deine Tour könnte die nächste sein

Bist du auch schon mehrere Tage am Stück mit dem Rad unterwegs gewesen? Dann würden wir deine Geschichte gerne in dieser Rubrik zeigen. Für den ersten Kontakt reicht eine ganz kurze, formlose Mail:

  • ein paar Eckdaten zu deiner Tour (Start, Ziel, ungefähre Gesamtstrecke)
  • kurze Stichpunkte zur Strecke – z. B. ein Link zu Komoot, Strava oder Mapy

Alles Weitere – Etappen im Detail, Fotos und Co. – klären wir gemeinsam, sobald wir deinen Beitrag wirklich umsetzen.

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