Unser Interview mit Udo Kewitsch

Warum wir unsere Abenteuer nicht aufschieben sollten


– Ein Gespräch mit Udo Kewitsch

Wir alle kennen diese Gedankenspiele, die meistens mit „irgendwann“ oder „hätte/könnte/sollte“ beginnen. „Irgendwann, wenn ich mehr Zeit habe, erfülle ich mir meinen großen Traum.“ Wir neigen dazu, unsere Wünsche in eine ferne Zukunft zu projizieren, in der irrigen Annahme, dass uns die Zeit ewig zur Verfügung steht.

Ein Gespräch mit dem leidenschaftlichen Radabenteurer und Blogger Udo Kewitsch hat uns daran erinnert, wie trügerisch diese Sicherheit sein kann. Udo erzählte uns von einem Erlebnis, das seine Sicht auf das Leben nachhaltig geprägt hat. Er hatte einen geschätzten Kollegen, der über Jahre hinweg von einem ganz bestimmten Traum sprach: Sobald er in den Ruhestand geht, sollte es eine Harley werden, mit der er cruisen wollte. Mehr als fünf Jahre lang war dies das große Ziel am Horizont. Doch das Schicksal hatte andere Pläne – der Kollege verstarb kurz vor seinem Renteneintritt. Die Harley wurde nie gekauft und der lang gehegte Traum blieb ungelebt.

Nicht nur diese Erfahrung formte Udos (bis heute gültige) Lebensphilosophie. Sein Mantra besteht aus nur drei Buchstaben, ist aber in seiner Bedeutung gewaltig: “T.U.N.”

“Tun ist wie wollen – nur krasser” heißt es doch so schön.

Die Formel des Glücks: T.U.N.

Wir hatten die Freude, ein Interview mit Udo zu führen. Seit 2002 dokumentiert er seine Reisen. Was mit handgeschriebenen Notizbüchern begann, ist heute der Blog udokah.de – eine Schatzkiste für jeden, der Fahrradabenteuer liebt.

Sein Credo besteht aus nur drei Buchstaben: T.U.N. Es steht für keine geheime Abkürzung. Es heißt einfach: Mach es – geh raus, erlebe Deine Abenteuer, egal ob in der XS oder XXL Version.

„Wenn man es gerne möchte, sollte man es auch tun. Weil, wenn man es nicht tut, hat man es auch nicht erlebt.“ – Udo Kewitsch

Egal ob der große Alpencross oder der kleine „Overnighter“ (eine Nacht draußen schlafen) nur 10-20 Kilometer vor der Haustür. Der perfekte Moment ist jetzt – hier – und heute.

Der Chronist auf zwei Rädern: Mehr als nur Reiseberichte

Udo ist dabei nicht nur Sportler, sondern vor allem ein Chronist. Seit über 20 Jahren dokumentiert er seine Erlebnisse regelmäßig. Was 2002 mit handgeschriebenen Notizen begann, hat sich heute zu seinem umfangreichen Blog udokah.de entwickelt. Wer dort stöbert, findet keine sterilen Routenbeschreibungen, sondern echte Geschichten, aber auch Tests und vieles aus seinem persönlichen Erfahrungsschatz – ohne Affiliate Links oder kommerziellen Hintergrund, sondern weil es authentische Leidenschaft ist.

Genau diesen Ansatz verfolgt er auch in seinen Büchern. Wer sich inspirieren lassen möchte, dem seien seine Werke ans Herz gelegt:

“Ich will meinen Lesern vermitteln, was den Reiz einer Alpenüberquerung ausmacht – sie teilhaben lassen am Glück und all den Schweißtropfen, die dafür notwendig sind.”

„Faszination AlpenX“ (Band 1 & 2): Udo betont, dass dies keine klassischen Reiseführer sind, die einem nur sagen, wo man abbiegen muss. Vielmehr sind es Erzählungen über die Euphorie, die Anstrengung und die unvergesslichen Momente, die eine Alpenüberquerung ausmachen. Es geht um das Gefühl, unterwegs zu sein.

21 Mal über die Alpen – und warum Regen egal ist

Udo weiß, wovon er spricht. Er hat die Alpen mittlerweile 21 Mal mit dem Mountainbike überquert. Mit insgesamt 38 verschiedenen Mitfahrern – nicht wenige waren mehrmals seine Begleiter.

Wer jetzt denkt, das geht nur bei Sonnenschein und Instagram-Wetter, der irrt. Sein Fazit: Bei 21 Touren gab es keine einzige Tour, ohne Regentag. Es gab Tage mit absolutem „Pisswetter“. Aber schlechte Laune? Streit? Nie. Denn die besten Geschichten entstehen oft dann, wenn eben nicht alles nach Plan läuft – dann erst fängt das Abenteuer an.

Udo erinnert sich lachend an eine Tour, bei der er sich als Guide im dichten Nebel verschätzte und die Gruppe fälschlicherweise 400 Höhenmeter ins Tal führte – in die völlig falsche Richtung. Als es dunkel wurde, strandeten sie im Nirgendwo. Die Rettung war keine luxuriöse Lodge, sondern eine verlassene Kneipe, in der sie in der Waschküche zwischen Wäscheständern auf Isomatten übernachten durften.

Am nächsten Morgen wurden sie samt Fahrrädern von einem freundlichen Holzfäller auf der Ladefläche seines Pickups den Berg wieder hinaufgefahren. Was in diesem Moment wie ein Desaster wirkte, ist heute die Anekdote, die bei jedem Treffen für großes Gelächter sorgt. Es sind diese Unwägbarkeiten, die ein Abenteuer erst zu einem solchen machen.

Udos Alpencross-Profi-Tipps für deine Tour

Wenn jemand so viel Erfahrung hat, hören wir genau hin. Hier sind seine Gold-Nuggets für Einsteiger:

  • Die 6-7-Kilo-Regel: Mehr solltest du beim Alpencross nicht auf dem Rücken haben.
  • Mut zur Lücke: Du brauchst nicht die dünnen UND die dicken Handschuhe. Udos Rat: Entscheide dich für eine Ausrüstung und lass den Rest zu Hause.
  • Die Alpencross-Einsteiger-Route: Wer den ersten Alpencross plant, muss sich nicht gleich quälen. Udo empfiehlt die „Late and Lite“-Route von Ehrwald über den Fernpass und den Reschenpass bis in die Nähe vom Gardasee (Bassano del Grappa). Technisch nicht extrem, landschaftlich traumhaft und ideal, um sich an das Erlebnis heranzutasten. Keine 5000 Höhenmeter, aber immerhin gut über 400 Kilometer – geht auch im Herbst.

Projekt „Go West“: Der Ruhestand wird laut

Udo Kewitsch hat vor wenigen Wochen seine aktive Berufsphase beendet und zehrt nun von seinem Langzeitkonto. Doch anstatt sich zur Ruhe zu setzen, wird das Prinzip T.U.N. jetzt erst recht gelebt. Am 18. April 2026 startet sein nächstes Großprojekt „Go West“: Eine 4.000 Kilometer lange Reise von der Haustür im Chiemgau über Nizza bis an die Nordatlantikküste und zurück.

Seine Geschichte lehrt uns, dass das Bike im Keller oder der Traum im Kopf keinen Wert haben, solange wir nicht den ersten Schritt machen. Wir müssen nicht warten, bis alle Umstände perfekt sind – denn das sind sie selten.

Unser Fazit

Udo Kewitsch inspiriert durch Echtheit. Er erinnert uns daran, dass das Fahrrad im Keller nichts bringt, wenn wir es nicht bewegen.
Schau unbedingt auf seinem Blog oder bei ihm auf Instagram vorbei oder wirf einen Blick in seine Buchreihe „Faszination AlpenX“. Aber vor allem: Warte nicht auf die Rente. Warte nicht auf besseres Wetter.

Nimm dein Rad. Fahr los. T.U.N.