Bloggerin Claudia Sittner auf dem Fahrrad

Wie Claudia Sittner die „German Angst“ besiegte


Ein Kreuzfahrtschiff liegt im Hafen, die Uhr tickt. St. Petersburg im Jahr 2017. Für viele Reisende bedeutet ein einziger Tag Landgang puren Stress. Für Claudia Sittner wird genau diese Limitierung zur kreativen Idee. Wie lässt sich das Maximum aus wenigen Stunden in einer fremden Metropole herausholen, ohne sich zu verzetteln?

Aus dieser Frage heraus entwickelt sie eine Idee, die bleiben wird. Das Format „Ein perfekter Tag in…“ ist geboren. Heute, weit über 100 Artikel später, ist es das Markenzeichen ihres Blogs Weltreize. Es zeigt eine Haltung, die nicht nur ihre Reisen, sondern ihren gesamten Weg prägt: Bewusst auswählen und intensiv erleben, anstatt einfach nur zu konsumieren.

Eindrücke von Claudia Sittner
© Claudia Sittner

Vom digitalen Tagebuch zur Berufung

Der eigentliche Startschuss für diese Entwicklung fällt jedoch zwei Jahre früher. 2015 packt Claudia für eine einjährige Weltreise die Rucksäcke. Ihr Blog entsteht aus einem pragmatischen Bedürfnis: Er soll Familie und Freunde zu Hause auf dem Laufenden halten. Claudia entdeckt ihre alte Leidenschaft für das Schreiben und Fotografieren wieder. Das Dokumentieren der Reise entwickelt eine Eigendynamik. Aus dem privaten Tagebuch wird ein Projekt, das immer mehr Raum einfordert.

Der langsame Abschied von der Sicherheit

Die Rückkehr nach Hamburg bringt einen unvermeidbaren Kontrast mit sich. Auf der einen Seite die Freiheit der Weltreise, auf der anderen das klassische Festangestellten-Dasein. Claudia entscheidet sich gegen einen harten Bruch und für eine schrittweise Transformation. Sie taucht tiefer in die Szene ein und gründet in Hamburg einen Stammtisch, um sich mit anderen Reisebloggern zu vernetzen und Synergien zu schaffen. Parallel dazu schraubt sie ihre sichere Festanstellung sukzessive herunter, bis sie schließlich bei 50 Prozent landet.

„Wir konzentrieren uns so oft darauf, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Aber wir sollten viel öfter fragen: Wohin möchtest du eigentlich und was ist das Schönste, das passieren kann?“

Transformation auf zwei Rädern

Dass Veränderung auch ganz physisch stattfinden kann, zeigt Claudias Alltag in Hamburg: Hier hat sie das Auto längst abgeschafft. Es ist eine bewusste Reduktion, die ihr mehr Raum gibt – und die perfekte Vorbereitung auf ihre Radreisen. Wenn sie über den Elberadweg fährt oder in Polen den brandneuen Velo Dunajec erkundet, verbindet sie sportliche Aktivität mit meditativer Beobachtung. Es geht nicht um Geschwindigkeit, sondern um die Perspektive. „Ich möchte das Reisen nicht einfach konsumieren, sondern aktiv werden“, sagt sie.

Diese Erfahrung gibt sie heute weiter. Mit ihrem Herzensprojekt „Modern Sabbatical“ berät sie Menschen, die sich eine Auszeit wünschen, aber an der „German Angst“ hängen bleiben, also das laute Kopfkino, das sofort anspringt: Was bedeutet das für den Lebenslauf? Was passiert mit der Rente? Was mache ich mit meiner Wohnung?. Claudia dreht die Frage um: „Wir konzentrieren uns so oft darauf, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Aber was ist eigentlich das Schönste, das passieren kann?“

Mit dem Rad auf Entdeckungsreise: Das sind Claudias Lieblingsstädte

Claudia erkundet Städte am liebsten dort, wo die Reisegruppen nicht unterwegs sind: in Hinterhöfen, an Flussufern, durch Parks, Industriequartiere und Wohnviertel. Und wenn sie die Wahl hat, dann steigt sie aufs Fahrrad. „Mit dem Rad erlebst du eine Stadt anders“, sagt sie. „Für mich die perfekte Geschwindigkeit: Du bist schneller als zu Fuß, aber nahbarer als im Auto. Du riechst die Bäckerei an der Ecke, hörst die Menschen in den Straßencafés plaudern und kannst jederzeit anhalten.“

Hier kommen ihre liebsten fahrradfreundlichen Städte in Deutschland:

Karlsruhe
Die Unistadt wird oft unterschätzt. Dabei bietet sie ein hervorragend ausgebautes Radwegenetz und kurze Wege zwischen Schloss, Turmberg und Rheinauen. Ideal für entspannte Entdeckertouren. Ihr Tipp: die NaturRADTour.

Hamburg
Claudias Heimatstadt zeigt sich vom Rad aus besonders vielseitig. Ihr Tipp: vom Hauptbahnhof an der Norderelbe entlang, am Großmarkt vorbei bis nach Entenwerder rollen – Großstadt, Wasserblick und Streetart inklusive.

Hannover
Unvergessen: die Runde um den Maschsee. Stadtnah, grün und überraschend ruhig, perfekt für eine kleine Auszeit mitten in der Stadt. Ihr Tipp: Bestell dir eine Picknick-Box bei Grauwinkels und genieß den Blick vom Steg beim fürstlichen Mahl.

Schwerin
Erst Altstadt und Seen erkunden, dann aufs Rad Richtung Schloss Willigrad: 14 km Natur, Badestrände, Kuchenpause auf dem Biohof Medewege. Die Rückfahrt dann ganz entspannt mit dem Zug. Slow Travel at its best.

Bremen
Besonders reizvoll: die Fahrt in die Überseestadt. Hier trifft hanseatische Geschichte auf moderne Architektur und viel Raum am Wasser. Tipp: Leg einen Boxenstopp in der Bremer Braumanufaktur ein und teste ein Craftbier in der Brauerei-Stadt.

Haie, Huskys und Oneway-Tickets

Heute ist Claudia eine Reisende, die das Vertrauen in den Moment über die Akribie des Plans stellt. Deswegen ist hat sie sich für ihre zweite Weltreise 2023/2024 auch nur ein Oneway-Ticket gekauft. Der Rest durfte sich spontan ergeben. Es ist das tiefe Vertrauen darauf, dass sich der Weg unter den eigenen Füßen schon von selbst formen wird.

Manchmal führt dieser Weg tief unter die Meeresoberfläche. Einer ihrer intensivsten Momente erlebt sie beim Tauchen auf den Galapagos-Inseln. Während eines warmen El-Niño-Jahres schwebt sie dort gemeinsam mit Hammerhaien, Pinguinen, Schildkröten und riesigen Mondfischen durch das tiefe Blau. Ein Moment purer Lebendigkeit.

Doch die eigene Bucket List ist noch lange nicht abgehakt. Die Sehnsucht zieht sie weiter. Irgendwann möchte sie mit Huskys auf einem Hundeschlitten durch die klirrende Kälte Lapplands gleiten. Die unberührte Natur Madagaskars spüren. Oder nochmal in einem kleinen Camper den unendlichen Weiten Australiens folgen.

Für diese Träume wartet sie nicht auf die Rente. Denn sie hat gelernt, dass die Lebensereignisse keine Rücksicht auf unsere Terminkalender nehmen.

„Für eine Reise gibt es nie den perfekten Zeitpunkt. Irgendwas verpasst du immer.“

Fazit & Lese-Empfehlung

Ob es gleich ein Oneway-Ticket sein muss oder ob das kleine Abenteuer nach Feierabend ausreicht, entscheidet am Ende jeder für sich selbst. Claudias Philosophie zeigt uns vor allem eins: Wer aktiv wird, durchbricht die eigene Betriebsblindheit.

Wer selbst das Fernweh spürt oder darüber nachdenkt, die eigene Pausetaste zu drücken, sollte unbedingt auf Claudias Reiseblog Weltreize vorbeischauen. Und für alle, die den Traum vom Ausstieg auf Zeit endlich mutig und strukturiert angehen wollen, ist Modern Sabbatical die perfekte erste Anlaufstelle.